„Objektive Kunst ist unmöglich.“

Das ist die Überzeugung der 1990 in Houston, Texas, geborenen US-amerikanischen Künstlerin Bunny Rogers. 2012 schließt sie ihr Studium der bildenden Kunst an der Parsons School of Design in New York mit dem Bachelor of Arts ab, beendet 2017 ein weiteres Studium am Stockholmer Royal Institute of Art mit dem Master of Fine Arts. Bunny Rogers entwickelt Installationen, Skulpturen, Fotografien, Videos und ist ebenfalls durch ihre Poesie bekannt, die sie online und in Lesungen präsentiert. Ihre Ausstellungen im Hamburger Bahnhof, dem Louisiana Museum of Modern Art, der Fondation Louis Vuitton u.a. sind in der Kunstszene bekannt und Kennern sehr präsent.

Nun eröffnet das Kunsthaus Bregenz seine Ausstellungsreihe des Jahres 2020 mit Bunny Rogers. Die Architektur und der schmucklose Beton des preisgekrönten Zumthor-Baus kommen ihr entgegen, denn oftmals bevorzugt Rogers verdunkelte Bühnen. Die Stimmung Ihrer Arbeiten ist schwermütig und düster. Ihre Installationen, die meist Musik und Poesie einbeziehen, sind von Figuren aus dem Internet, von Fernsehserien und Videospielen inspiriert. Die Welt der Waren und der Vergnügungsindustrie, die sonst als heil und gewinnorientiert dargestellt wird, verkehrt ihre Vorzeichen und wird bedrückend, fragwürdig und tiefgründig. Erinnerung und Empfindsamkeit, Erfindung und Freundschaft sind Rogers Themen. Sie spielt mit Identitäten, indem sie Portraitserien von sich anfertigt, die letztlich 3D-Modelle von Fernsehcharakteren sind. Sie zeigt sich darin nicht als Gewinnerin, sondern verletzlich, leidensfähig und verlassen.

Vom 18.01.-13.04.2020 sind unter dem Titel ´Kind Kingdom´ Bunny Rogers raumgreifende Installationen im Kunsthaus Bregenz über alle vier Ausstellungsgeschosse zu sehen. Die von ihr verwendeten Versatzstücke sind von amerikanischen Trauerfeiern inspiriert. Im Erdgeschoss bestimmen schwere Vorhänge, Blumenkränze und Trauerflor die Atmosphäre. An anderer Stelle werden Rosen sichtbar, die in Beton gegossen sind, während im Hintergrund Absperrgitter den Raum begrenzen. Auf zwei Geschossen wird echter Rasen verlegt, wo Erde, Abfall und vertrocknete Blumen Poesie und Schmerz, Schönheit und Vergänglichkeit versinnbildlichen. Eine Kunst, die den Schauer nicht scheut, um an die eigene Verantwortung zu erinnern.

Tod und Trauer mögen aus dem modernen Alltag verdrängt werden, in der Kunst sind sie seit jeher zentrale Themen. Stillleben, die an die Sterblichkeit erinnern, gehören schon immer zur Kunstgeschichte. Heute ersetzen digitale Kulte und Phänomene hysterischer Fassungslosigkeit herkömmliche Erinnerungstechniken. Die Medien bemächtigen sich des Trauerns, ebenso die Kunst. Man denke dabei an Andy Warhols Bilder von Jacky Kennedy am Grab ihres ermordeten Mannes.

Im obersten Stockwerk rieselt das Wasser aus einem Duschkopf. Das ganze Geschoss ist mit schlammgrauen, sepiafarbenen Fliesen ausgelegt. Die Anlage, die Bunny Rogers inszeniert, erinnert an Nasszellen, wie man sie in Schulen oder Sporthallen finden kann. Diese eigentümlich leere, verlassen wirkende Raumgestaltung wird mit ihren teilweise verschlissenen Fliesenelementen zu einer unbehaglichen Stimmungsbühne, die das Kunsthaus Bregenz in einen einzigartigen Ort verwandelt – nicht nur theatralisch, sondern auch kritisch, politisch und die Gegenwart prüfend.

www.kunsthaus-bregenz.at                                Besuch am 21.02.2020