Sherry, Pferde und Flamenco…

Die charakteristischen Themen Andalusiens sind in Jerez de la Frontiera allgegenwärtig und prägen seit Jahrhunderten das Leben und Aussehen dieser Stadt. Maurische Bauten und Stadtelemente zeugen von der Vergangenheit unter der Besatzung und die kriegerische Vergangenheit als Frontstadt während der Auseinandersetzungen zwischen Christen und Mauren finden ihre nachhaltige Bedeutung im Stadtnamen ´de la Frontiera´, was übersetzt ´an der Grenze´ bedeutet.

Der Begriff Sherry hat auch maurische Ursprünge, denn zur Zeit der maurischen Besatzung trug die Stadt den arabischen Namen´Sherish´, woraus bei den Engländern schnell der Name Sherry wurde für die Produkte, die aus Jerez kamen. Der Sherry und die Weine, aus denen er hergestellt wird, verhalfen der Gegend zu Wohlstand, Reichtum und weltweiter Bekanntheit. Bei einem Stadtbummel stößt man ständig auf berühmte Namen der Spirituosenindustrie, die in übergroßen Buchstaben die jeweiligen Bodegas markieren. Viele von ihnen sind absolut sehenswert, denn manche stellen architektonische Schmuckstücke dar, wie die Bodega La Concha von Gonzales Byass, welche von Gustave Eiffel entworfen wurde, die Grand Bodega de Domecq mit mehreren tausend Hufeisenbögen oder die Bodega del Tio Pepe, die als historisches Denkmal Andalusiens gilt. Die größte Bodega Europas, die Bodega Williams & Humbert, liegt am Stadtrand von Jerez und ist allein schon wegen der gigantischen Fasslager einen Besuch wert.

Im Stadtzentrum kann der Besucher fußläufig viele Sehenswürdigkeiten erkunden, durch Fußgängerzonen und historische Viertel schlendern. An der Hauptgeschäftsstraße Alameda Cristina findet man eines der vielen Prachthäuser, die vom ursprünglichen Reichtum der Stadt zeugen: Der Domecq-Palast als Firmensitz des gleichnamigen Sherry-Imperiums. Ein Stück weiter auf dieser Straße befindet sich das Kloster Santo Domingo, eines der vielen Kloster-und Kirchenbauwerke, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen, von denen die Kathedrale und das Kartäuserkloster sicherlich am interessantesten sind.

Sicherlich sollte man bei einem Jerez-Besuch die Festung Alcázar mit der Moschee in der Calle Alameda Vieja und den barocken Turm des Palacio de Villavicencio, von dem man mittels einer Camera Oscura, einem historischen Spiegelsystem, einen unvergleichlichen Blick über das Stadtgebiet von Jerez hat.

Das zweite große Thema Andalusiens wird im Centro Andaluz de Flamenco am Plaza de San Juan 1 ausführlich behandelt und man kann sich dort mit Hilfe von audiovisuellen Darstellungen, einem Schallarchiv und einer speziellen Bibliothek umfangreich informieren. Als Veranstaltungs-Highlight des Jahres für Flamenco-Liebhaber gilt alljährlich Ende Februar / Anfang März das renommierte Flamenco-Festival in Jerez und danach folgt im Mai ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt, nämlich das Reiter-und Pferdefestival Feria del Caballo.

Das Thema Pferde hat ureigene Wurzeln hier und auch eine eigene Pferderasse wird in der Gegend von Jerez gezüchtet. Diese wird selbstverständlich während des Reiter-und Pferdefestivals ausgiebig präsentiert und selten hat man die Gelegenheit, stolze andalusische Caballeros und ihre edlen Pferde in einer solchen Anzahl versammelt zu sehen. Schön anzusehen sind aber ebenfalls die Senoras und Senoritas in traditioneller Bekleidung, die den Caballeros in ihrem Stolz nicht nachstehen. Es bietet sich dem Betrachter bei dieser Gelegenheit ein sehr ansprechendes und beeindruckendes Bild gelebter Tradition und Kultur. Auf einem ausgedehnten Areal stehen unzählige Pavillons und Zelte, in denen kulinarische Leckerbissen aus Jerez angeboten werden, natürlich immer in Verbindung mit den berühmten Weinprodukten der Region. Allerdings sollte man als Besucher wissen, dass für den Zutritt zu den meisten Pavillons eine persönliche Einladung des jeweiligen Betreibers notwendig ist. Es gibt jedoch auch genügend Möglichkeiten, als Besucher inmitten der Pferdeliebhaber seine Freude zu haben und die naturgetreue andalusische Atmosphäre wahrzunehmen.

Wer noch tiefer in diese Materie eintauchen möchte, sollte unbedingt am Recreo de las Cadenas vorbeischauen, denn dort befindet sich der Sitz der Königlichen Andalusischen Reitschule (Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre), wo man die Dressurschau ´Cómo Bailan los Caballos Andaluzes´, was übersetzt ´Wie die andalusischen Pferde tanzen´ bedeutet, neben allem, was zu einem solchen Gestüt gehört, sehen und erleben kann.

Auch wenn Jerez in der Öffentlichkeit als früherer Austragungsort von Formel 1 – Rennen und noch immer für den Großen Preis von Spanien der Motorrad-WM bekannt ist, so prägen doch noch immer die drei großen andalusischen Themen den Alltag und locken die meisten Touristen in die Stadt. Die internationale Anbindung ist durch den Flughafen La Parra, der 25 km nordöstlich vom Stadtzentrum liegt, gewährleistet. Der kleine historische Bahnhof von Jerez bietet die preisgünstigen Zugverbindungen des modernen Streckennetzes und den idealen Ausgangspunkt für Ausflüge an die Costa de la Luz (Cádiz, Sanlúcar de Barrameda, Chiclana), wofür man auch die vorhandenen Busverbindungen wählen kann, die ebenfalls zu den sehenswerten Ortschaften der sogenannten ´Weißen Dörfer´ im bergigen Gelände oder zu mehreren Naturparks in der Nähe führen.

                                                  Aufenthalte am 20./24.8./03./10.9.2010