Tradition und Moderne…

Ein exzellentes Beispiel einer gelungenen Symbiose aus altem Baubestand mit langer Tradition und modernem Design stellt das Pariser 5 Sterne-Hôtel Vernet in der gleichnamigen Rue Vernet dar. Dieses Boutique-Hotel in der direkten Parallelstraße zur Champs-Élysées mit seinen 50 Zimmern und Suiten ist ein vortrefflicher Vertreter des weltweiten Verbundes der Design Hotels, weil hier klassische Architektur und zeitgemäßes Design ausgesprochen gelungen zusammengeführt wurden. Bereits beim Betreten des Eingangsbereichs macht sich beim Ästheten innere Freude breit, denn nur edelste Materialien stechen ihm ins Auge, zudem in handwerklich außergewöhnlicher Verarbeitung. Feinster italienischer Marmor wird den Gast durch das gesamte Haus begleiten, ohne jedoch erdrückend und schwer zu wirken. Hier herrscht eher eine gewisse Leichtigkeit des Designs durch stetige Auflockerung in Form einzelner exponierter Elemente.

Ein Schmuckstück begrüßt den Gast auf seinem Weg in die oberen Etagen: Ein wohl aus der Anfangszeit des Hotels stammender typischer Aufzug befördert die Hotelgäste. Dies ist jedoch nur der optische Eindruck, denn der Fahrstuhl wurde technisch auf den aktuellen Stand gebracht und die vorher geschlossene Aufzugwand ermöglicht rundum durch Glasscheiben den Blick in das von Tageslicht durchflutete Treppenhaus. Die optische Gestaltung der Gänge zu den Zimmern und Suiten ist höchst bemerkenswert und findet den Gipfel der Bewunderung in der Darstellung der Zimmernummern. Offensichtlich war eine Anbringung der Ziffern an der Zimmertür den Ausstattern zu banal und man entschied sich für einzelne, bis zur Hüfthöhe reichende Designerkonsolen, auf denen stehende und gefräste Ziffern, von einer tief herabhängenden Lampe beleuchtet,  dem Gast den Weg weisen. Dieser Anblick beschert dem Vielgereisten Momente des Erstaunens, wie es passiert, wenn man etwas vorher nie Gesehenes erstmals wahrnimmt, doch diese Momente ergeben sich erfreulicherweise mehrfach im Hôtel Vernet.

Beim Betreten der Suite verbleibt der Gast in positiver Anspannung, denn auch hier ist er von einem Design umgeben, welches das Wohlgefühl steigert. Insgesamt dezent, teilweise erst auf den zweiten Blick richtig deutbar, doch final einfach begeisternd: Fußböden aus Eichenholz, welche im Einklang mit geschwungenen und flexiblen Raumteilern aus eben dem Material stehen und an einen Windschutz erinnern, erstklassige Sitzmöbel und Betten, edelste Stoffe vor den Fenstern und ein privater Wohlfühlbereich als Bad, welcher einem Showroom für Luxusmaterialien mit Carrara-Marmor, Glasmosaiken und Messing-Armaturen von Stella gleicht. Auf dem Weg zum WC durchquert man vom Bad das Ankleidezimmer, welches reichlich Platz zur Unterbringung von Bekleidung für längere Aufenthalte und zum Ankleiden bietet. Die Suite in der sechsten Etage hat noch mehr Besonderes zu bieten: Zwei Terrassen wurden hier an den Dachstuhl angebaut, die jeweils von Schlafraum und Wohnbereich zugänglich sind und einen markanten Ausblick ermöglichen. Direkt umgeben von Häusern im typischen Stil der Haussmann-Architektur der Rue Vernet und gleichzeitig mit Aussichten bis zum Riesenrad an der Place de la Concorde und in anderer Richtung bis zu den Hochhäusern des Geschäftsviertels La Défense kann man sich kaum ein romantischeres Plätzchen für ein Frühstück zu zweit in Paris vorstellen.

Ansonsten wird den Hotelgästen das Frühstück im Le V, dem Restaurant im Erdgeschoss des Hauses, serviert. Auch hier ein faszinierendes Zusammenspiel von historischer Architektur, zeitgenössischem Design und Kunst. Das gesamte Restaurant wird von einer von Gustave Eiffel entworfenen Glasdecke überspannt und harmoniert hervorragend mit den noblen Designer-Sitzgruppen. Zwischen Bildern von Malern unserer Zeit gibt eine große Glasscheibe den Blick auf die Küche und die dort Aktiven frei. Gleich nebenan, auf dem Weg vom Restaurant zur Lobby, liegt die Bar des Hauses, ebenfalls ein Unikat in Entwurf und Ausführung. Ein Bartresen aus geschwungen verarbeitetem Marmor und ein dahinter liegender Raumteiler aus handgefertigten Kupferelementen ziehen teilweise ungläubige Blicke auf sich, weil man kaum glaubt, dass diese Materialien in dieser Form verarbeitet werden können. Da sind sie wieder, jene Momente des ´never seen before´, welche dieses außergewöhnliche Hotel so einzigartig und für viele in dieser zentralen Lage am Arc de Triomphe unwiderstehlich machen…

www.hotelvernet.com

 Besuch am 14.05./16.05.2016