Die Vision einer idealen Stadt…

Wer sich zu einem Besuch im Loiretal aufhält, um z.B. eine Bootsfahrt auf dem malerischen Fluss zu unternehmen, die sehenswerten Keller des Crémant-Produzenten Bouvet-Ladubay oder das Städtchen Saumur mit seinem weithin sichtbaren Schloss besucht, sollte es sich nicht nehmen lassen, einen Ausflug zur nur 16 km von Saumur entfernten Königlichen Abtei Fontevraud zu unternehmen. Der Besuch dieser Klosterstadt, die einst als ´ideale Stadt´ geplant war, ist in vielerlei Hinsicht lohnenswert, denn das Konzept, die Geschichte und der heutige Zustand sind beeindruckend.

Die Abtei wurde im Jahr 1101 von dem etwas sonderbaren Prediger Robert d´Arbrissel gegründet, der, ohne sich um die Sitten der damaligen Zeit zu kümmern, ein gemischtes Kloster schuf und die Leitung einer Frau anvertraute. Dieses Vorgehen sorgte natürlich für Kontroversen unter den Priestern, was aber an den Tatsachen nichts mehr änderte. In der Folge lösten sich an der Spitze des sich in ganz Europa verbreitenden Ordens von Fontevraud 36 Äbtissinnen ab.

Die Abtei von Fontevraud, auch unter dem Namen ´Klosterstadt´ bekannt, zählt seit dem Jahr 2000 zum UNESCO Welterbe, gilt als das größte klösterliche Gebäude Europas und wurde als außergewöhnliches architektonisches Gesamtwerk auf einer Fläche von 14 ha errichtet. Die Klosteranlage wurde auf die Aufnahme einer gemischten Gemeinschaft ausgerichtet: Für die Ordensschwestern wurde das Kloster Le Grand Moûtier erbaut, im Sainte-Marie-Madeleine lebten Frauen, die sich vom weltlichen Leben zurückzogen, während das Saint-Lazare für Kranke und das Saint-Jean-de-l´Habit für Mönche gedacht war.

Das Kloster profitierte von Beginn an von der starken Verbindung zum Hause Plantagenet, den Grafen von Anjou. Von ihnen wurde das Kloster außerordentlich gefördert und sie bestimmten es zu ihrer königlichen Grablege. Eleonore von Aquitanien zog sich im Alter in dieses Kloster zurück und liegt auch dort begraben. Das Kloster beherbergt ebenfalls die Gräber ihres zweiten Ehemannes Heinrich II. von England, des gemeinsamen Sohnes Richard Löwenherz und der Ehefrau seines jüngsten Sohnes Johann Ohneland, Isabella von Angoulême.

Im Jahr 1804 ließ Kaiser Napoleon Bonaparte per Dekret die Abtei in ein Gefängnis verwandeln, das als eines der härtesten des Landes galt. Nachdem 1963 das Gefängnis geschlossen wurde, begannen umfassende Restaurierungsarbeiten, die sich auch heute noch fortsetzen. Die Abtei Fontevraud galt durch vielfältige Innovationen schon früh als sehr fortschrittlich, was auch für die heutige Zeit gilt. Interaktiv wird der Besucher durch die weitläufige und hervorragend gepflegte Anlage geführt, die heute Kulturerbe, Lebensraum und modernes künstlerisches Schaffen vereint.

Modernste Technik begleitet Ausstellungen, Konzerte, Aufführungen und Konferenzen und das Priorat Saint-Lazare hat sich in ein modernes Design Hotel mit Sterne-Restaurant verwandelt. Die Vision der idealen Stadt wird weiter verfolgt…

www.fontevraud.fr                             Besuch am 1.06.2017