Schnell mal in die Provence…

Eine Kooperation zwischen der Deutschen Bahn und der französischen SNCF macht es möglich. Verlockend klingen die Namen der Destinationen im Süden Frankreichs: Lyon, Avignon, Aix-en-Provence, Marseille. Noch verlockender ist es, diese Reiseziele bequem und in einer überschaubaren Reisezeit erreichen zu können. Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV 2N2 ´Euro-Duplex´ startet täglich um 14:01h ab Frankfurt/M. Hbf und nimmt um 14:40h in Mannheim, 15:13h in Karlsruhe und 15:35h in Baden-Baden auf deutscher Seite Fahrgäste auf, um sie dann in hoher Geschwindigkeit an ihre Ziele nach Frankreich zu bringen.

Wir steigen am Freitagnachmittag in den TGV 9580/1 um 14:40h aus Frankfurt/M. in Mannheim zu und haben Avignon als eines der reizvollen Ziele auf der Route an die französische Mittelmeerküste für das Wochenende gewählt. Der 200 Meter lange Zug der dritten Generation der Doppelstock-TGV setzt sich pünktlich in Bewegung und bedient noch die Haltepunkte Karlsruhe und Baden-Baden, bevor er die Fahrt auf seinem Heimatgebiet fortsetzt. Der Zug bietet insgesamt 509 Sitzplätze auf zwei Ebenen, wobei davon 181 in der 1. Klasse und 328 in der 2. Klasse verfügbar sind. Wer einen erhöhten Sitzkomfort bevorzugt, dem sei ein Platz in der 1. Klasse empfohlen, auch wenn die Sitze der 2. Klasse ergonomisch geformt sind. Dennoch vermitteln die Sitzmöglichkeiten in der 1. Klasse eher den Eindruck von Sesseln und die Beinfreiheit ist selbstverständlich auch größer ausgelegt. Wer sich seine Filme auf dem PC anschauen oder die Fahrzeit zum Lesen oder Arbeiten nutzen möchte, verfügt über eine direkte Stromversorgung an seinem Platz. Wenn man dann aus dem oberen Stockwerk in bequemer Sitzposition Frankreich an sich vorbeiziehen sieht, kann man mit der Wahl seines Reiseverkehrsmittels zufrieden sein.

Die Städte Strasbourg und Mulhouse als bekannte kulinarische und kulturelle Destinationen im Elsass erreichen wir um 16:01h bzw. 16:53h, bevor uns weitere klingende Namen an den Stationen erwarten. Der neue TGV-Bahnhof Belfort Montbéliard fällt aus dem oberen Stockwerk des Zuges durch seine moderne Architektur und die begrünten Oberflächen der Bahnsteig-Überdachungen auf. An dieser Station wird als Novum in Frankreich ein Teil des Wärmebedarfs mit geothermischer Energie gedeckt, welche mittels vertikaler Sonden über Wärmepumpen aus einer Tiefe von 100 Metern gefördert wird. Um 17:48h fahren wir in den TGV-Bahnhof von Besancon ein, der Hauptstadt der Region Franche-Comté und man nimmt sich garantiert vor, auch hier einmal ein Wochenende zu verbringen, denn man erinnert sich an Bilder einer sehr sehenswerten Stadt. Nach diesem Haltepunkt geht es mit Höchstgeschwindigkeit weiter in Richtung Chalon-sur-Saône und auf dem Fahrgast-Informationssystem kann der Fahrgast die jeweilige Geschwindigkeit des TGV ablesen. Auf dieser Strecke und auch danach auf dem Weg nach Lyon-Part-Dieu liegt diese zwischen 312 und 319 Stundenkilometern.

Bei der Zugerkundung entdeckt man die Bar, welche den Fahrgästen zahlreiche Speisen und Getränke bietet. Vom klassischen französischen Frühstück über die deutsche Currywurst und einem speziellen Kindermenü bis zum belgischen Bier, den italienischen Illy-Kaffeespezialitäten und französischen Weinen kann der Gast hier seine Auswahl treffen. Auf dem Weg durch den Zug bemerkt man auch die speziellen Fahrgastbereiche, wie das Familienabteil in Wagen 6 und 8, den Wickeltisch im Wagen 8 und ebenfalls dort einen Bereich für großes Gepäck. Beim Toilettengang sollte man ab einer bestimmten Körpergröße besser die Toiletten in der unteren Etage aufsuchen, da sich in der oberen Etage die Deckenwölbung des Zuges natürlich für Großgewachsene nachteilig auswirkt. Besonders positiv fällt auf, dass auf den Gängen Defibrillatoren für den Notfall frei zugänglich sind. Diese sind auch von Laien einfach bei Bedarf zu bedienen, ohne dass man bei der Ersthilfe auf das Zugpersonal angewiesen wäre.

Die deutsch-französische Kooperation wird ebenfalls bei der Zusammensetzung des Zugpersonals deutlich. Hier werden die Fahrgäste durch ein gemischtes Team aus beiden Ländern zweisprachig betreut, wobei selbstverständlich Englisch als Fremdsprache noch hinzu kommt. Sämtliche Durchsagen, die angezeigten Informationen auf dem Bordsystem und die Speisen-und Getränkekarten sind in den drei Sprachen ausgelegt. Als Tageszeitungen stehen den Fahrgästen der 1. Klasse die Ausgaben von Die Welt und Le Monde zur Verfügung. Bereits um 19:56h erreichen wir die südfranzösische Metropole Lyon mit ihrer sehenswerten mittelalterlichen Altstadt. Nach der Einfahrt in den Bahnhof Lyon-Part-Dieu haben Reisende Anschluss an ihre Züge nach Nimes, Montpellier und Perpignan. Beim Verkehrsmittelvergleich schneidet die Verbindung Frankfurt/M.-Avignon mit dem TGV außerordentlich günstig ab und das erklärt auch die starke Frequentierung dieser Strecke. Dies ist auch ein Grund, weshalb die Buchungsöffnung inzwischen bereits vier Monate vor Reiseantritt erfolgt und diese Verbindung mit dem Europa-Spezial-Tarif nach Südfrankreich extrem günstig buchbar ist.

Entspannt und ausgeruht nach einer Fahrt durch landschaftlich reizvolle Gegenden erreichen wir um 21:08h den modernen TGV-Bahnhof von Avignon und haben nach dem Einchecken im Hotel noch ausreichend Zeit für ein französisches Abendessen und den dazu gehörigen Côte du Rhone, bevor am nächsten Tag die alte Papststadt erkundet werden kann. Die Zwischenstationen auf dem Weg nach Avignon animieren zu weiteren Aufenthalten, was auch leicht und günstig mit dem TGV zu realisieren ist. So eben mal schnell nach Südfrankreich…

www.bahn.de/suedfrankreich

Fahrt am 20. und 22.03.2015