Die Stadt der Fahrräder…

Die norditalienische Stadt Ferrara ist allgemein für ihre gut erhaltenen Bauten aus dem Mittelalter und der Renaissance bekannt. Weniger jedoch, dass Ferrara zu den Städten mit der weltweit höchsten Fahrraddichte zählt. Das Fahrrad nimmt hier seit jeher eine bedeutende Stellung unter den Transportmitteln ein und rund 120.000 davon bilden einen Radverkehrsanteil von 25%. Dem trägt man hier Rechnung, indem den Radfahrern 85 km Radwege zur Verfügung stehen und viele Beherbergungsbetriebe den Gästen kostenlose Leihfahrräder anbieten. Wohl wissend, dass die Erkundung auf zwei Rädern die ideale Art darstellt, um die Stadt und ihre Umgebung kennenzulernen. Das wissen vor allem jene Touristen zu schätzen, welche mit der Bahn in die Emilia Romagna reisen, ob mit dem eigenen Gefährt oder ohne.

Das große und ebene, für den privaten Autoverkehr gesperrte Zentrum der Stadt bietet ideale Voraussetzungen für ausgiebige Erkundungstouren, die zu Fuß nur schwer zu bewältigen wären. Bereits seit dem Mittelalter ist das Viertel um die Kathedrale der Mittelpunkt des städtischen Lebens und die Innenstadt, in der auch die verschiedenen Machthaber residierten, ist heute mit seinen Einkaufsstraßen und Denkmälern ebenso beliebtes Ziel der Einwohner und Besucher Ferraras. Das Tourismusbüro der Stadt hat verschiedene Besichtigungsrouten ausgearbeitet, auf denen der Besucher die wichtigsten Plätze und Baudenkmäler kennenlernen kann. Ausgangspunkt für die meisten Touren ist das zentral liegende Castello Estense, ein durch einen breiten Wassergraben geschütztes Schloss aus dem 14.Jahrhundert.

Das eindrucksvolle Bauwerk ist vollständig zu besichtigen und bietet auch gleich den ersten Höhepunkt einer dieser Touren. Weiter geht es über die Piazza Savonarola, vorbei am Palazzo Arcivescovile und dem Palazzo Municipale, dem Rathaus und ehemaligen Herzogspalast, zur Cattedrale, die ab dem 12.Jahrhundert erbaut wurde und in ihrer Bauweise Zeugnisse sämtlicher historischer Epochen aufweist. Über die Piazza Trento e Trieste an der Südflanke der Kathedrale führt die Route durch das ehemalige Ghetto mit seiner Synagoge und dem Jüdischen Museum.

Von hier aus gelangt man ein Stück weiter zur Via delle Volte, einer langen und engen Straße, deren unverwechselbare Gestalt zu einem Wahrzeichen Ferraras geworden ist. Hier kann man sich förmlich das mittelalterliche Treiben der damaligen Zeit bildlich vorstellen, denn hier wurde baulich nichts verändert. Auch heute sind die Volte genannten hochgelegenen Übergänge zu bewundern, die dazu dienten, die Wohnhäuser der Kaufleute auf der Südseite mit den Lagern auf der Nordseite zu verbinden. Auch hier, wie in den anderen Straßen und Gassen, bemerkt jeder Besucher die Straßenbefestigung aus Flusssteinen, welche man bei der Trockenlegung des Po-Seitenarms als Baumaterial entdeckte. Weiter führt die Route am Nationalmuseum für das italienische Judentum und an einigen Kirchen vorbei, bis man wieder am Ausgangspunkt ankommt.

Eine andere Tour hat als thematischen Schwerpunkt die Renaissance-Stadt Ferrara, auf deren Route die signifikanten Bauwerke aus dieser Zeit liegen, darunter auch der  Palazzo dei Diamanti, einer der berühmtesten Paläste  der italienischen Renaissance-Architektur überhaupt. Sein Name stammt von den 8.500 diamantförmig zugeschnittenen Steinen, die das Bossenwerk der zwei Fassaden bilden. Dieser Palast verkörpert den Ruhm des damaligen Herrschergeschlechts d´Este und beherbergt in der ersten Etage die Nationale Pinakothek.

Ferrara ist eine der wenigen Städte, welche nicht von den Römern gegründet wurden und ihre Anfänge gehen in das 7. und 8. Jahrhundert zurück. Eine weitere Ausnahme bildet die neun Kilometer lange, Ferrara noch heute fast vollständig umschließende Stadtmauer, die ebenfalls bequem auf einer Fahrradroute zu erkunden ist. Es handelt sich um einen der vollständigsten und interessantesten Mauerringe Italiens, denn hier finden sich Beispiele aus allen bedeutenden Perioden der italienischen Militärarchitektur inmitten von Wällen und Erdaufschüttungen. Die Backsteinkurtinen als bestes Beispiel der Militärkunst wurden selbst von Michelangelo studiert und sind zu einem großen Park geworden, der die vielen Grünflächen innerhalb der Mauern ergänzt  und ein beliebtes Naherholungsgebiet der Einwohner Ferraras ist.

Liebhaber der Cucina Italiana finden hier ein paar Besonderheiten der regionalen Küche, darunter Rezepte aus der bäuerlichen und volkstümlichen Tradition, aber auch Überlieferungen aus der herzoglichen Küche des Palastes. Neben Lasagne und Cappelletti, einer lokalen Variante der Tortellini, sind die mit Kürbis und Parmesankäse gefüllten Cappellacci und alle anderen Arten frischer, mit Eiern zubereiteter Pasta beliebt. Nicht zu vergessen ist der Pasticcio di Maccheroni, ein höfisches Rezept aus der damaligen Zeit: Eine süße Teigkruste umschließt Maccheronis in Bechamelsauce und weißem Ragout, deren Geschmack durch Pilze und Trüffel verfeinert wird. Eine gute Adresse, um die lokalen Spezialitäten in bester Qualität zu probieren ist das Ristorante Cusina e Butega im Zentrum der Stadt. Hier serviert man auch das typische Brot aus Ferrara, das Coppia, in unverwechselbar raffinierter und gespreizter Form, aber auch die Salama da Sugo als ungewöhnliche Mischung von Schweinefleisch und das Pampepato als bekannteste ferrareser Kuchen-Spezialität. So gibt es neben den vielen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auch für die Liebhaber der Kulinarik enormes Entdeckungspotential in Ferrara…

Besuch am 20.05.2017

www.ferrarainfo.com
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