Zeugin des Mittelalters…

Aufgrund ihrer religiösen Rolle, die Avignon in der Zeit des Mittelalters spielte, ist sie auch heute noch eine viel besuchte Zeugin dieser Ära. Im 14. Jahrhundert rückte Avignon in das Zentrum der Weltpolitik, als nach Auseinandersetzungen mit Rom der Papstsitz hierher verlegt wurde. Gleichzeitig begann die Blütezeit für die Handelsstadt am Zusammenfluss von Rhône und Durance, wovon die zahlreichen erhalten gebliebenen Bauten auch heute noch zeugen. Die Altstadt von Avignon, wo innerhalb der Stadtmauer heute ca. 15.000 Einwohner leben, ist deshalb ein lohnenswertes Ziel für eine Städtereise und auch ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung des Départements Vaucluse und der Provence.

Verkehrstechnisch verfügt Avignon durch einen TGV-Bahnhof über eine gute Anbindung an das internationale Eisenbahnnetz. Von Paris benötigt man nur 2:40h und auch von Deutschland ist die Stadt mit dem Hochgeschwindigkeitszug täglich von Frankfurt über Baden Baden, Karlsruhe und Mannheim in wenigen Stunden bequem zu erreichen. Wenn man vom TGV-Bahnhof in Richtung Altstadt fährt, fällt einem zum ersten Mal die imposante Befestigungsmauer der Stadt auf und sie wird zum ständigen Begleiter während eines Aufenthalts, denn sie umschließt noch immer die gesamte Altstadt. Avignon ist eines der ganz wenigen Beispiele, wo die alte Befestigungsmauer komplett erhalten geblieben ist und sie prägt an vielen Stellen eindrucksvoll das Bild der Stadt. Einige der prägnantesten Bauten wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und können von den Besuchern besichtigt werden.

An erster Stelle gehört dazu der Papstpalast als größtes gotisches Bauwerk, der im 14. Jahrhundert das Zentrum der katholischen Welt darstellte und von neun aufeinander folgenden Päpsten baulich geprägt wurde. Keineswegs zu vergleichen mit dem prunkvollen Vatikan, sondern eher eine wehrhafte Festung, wie es die Umstände der damaligen Zeit erforderten. Von den Dimensionen absolut beeindruckend, aber eben auch nachdenklich machend, wie Päpste hier im 14. Jahrhundert lebten. Nicht weit vom Papstpalast entfernt, gelangt man von dort bei einem herrlichen Ausblick über die gesamte Umgebung zu einem weiteren UNESCO-Weltkulturerbe, zur weltberühmten und unvollendeten Brücke Pont St. Bénézet, deren Bau im 12. Jahrhundert begann und die durch mehrere Kriege und Hochwasser mehrfach beschädigt und wieder aufgebaut wurde, bis sie im 17.Jahrhundert völlig aufgegeben wurde. Auf dem Weg dorthin kann man erneut von beiden Seiten die mächtige Befestigungsmauer bewundern, denn die Brücke war damals ein wichtiger Zugang zur Stadt und führte direkt durch die Stadtmauer.

Wegen der starken katholischen Präsenz in den vergangenen Jahrhunderten ist die Anzahl der aus architektonischer Sicht interessanten Sakralbauten hoch. Die Cathédrale Notre Dame des Doms d´Avignon, deren vergoldete Jungfrau Maria weithin zu sehen ist, sowie zahlreiche Kirchen bezeugen dies und sind einen Besuch wert. Vom Stadtbahnhof führt die breite Einkaufsstraße Cours Jean Jaurès / Rue de la République direkt zum Rathausplatz Place de l´Horloge, der einer der beliebten Plätze der Stadt ist. In unmittelbarer Nähe zum Rathaus laden zahlreiche Restaurants und Cafés mit ihren ausladenden Terrassen zum Verweilen ein und das südfranzösische Flair wird hier greifbar. Wie generell in den südlichen Gegenden sind die Plätze stets ein beliebter Treffpunkt für die Einwohner, aber auch für die Touristen. Nicht anders ist es beim Place Pie, wo die Markthalle von Avignon einen bunten Mix aus einkaufenden Stadtbewohnern und Touristen anzieht. ´Les Halles´, wie der großflächige und überdachte Markt genannt wird, bietet alles, was die Region an frischen Produkten liefert. Entspannt kann man hier auf breiten Gängen seine Einkäufe erledigen oder auch einen Snack mit einem Glas Wein zu sich nehmen.

Es gibt viel zu entdecken in den verschlungenen Seitenstraße: Elegante Ladengeschäfte, Bistros und Epicerien hinter den Fassaden nobler Bürgerhäuser, aber auch stille Winkel mit verfallenen Häusern. Kirchen und kleine, ruhige Plätze liegen inmitten der Wohnquartiere und demonstrieren die damals übliche, enge Altstadtbebauung. Das meist erhalten gebliebene Straßenpflaster ist nicht immer leicht und dauerhaft zu begehen, vermittelt jedoch die Authentizität der Altstadt. Dieses Pflaster führt auch zur Rue de Teinturiers, der ehemaligen Straße der Färber. In diesem Viertel wurden früher Stoffe, welche auf dem Handelsweg nach Avignon gelangten, gefärbt und dann weiter gehandelt. Besonders reizvoll zu entdecken sind für den Besucher in den Gassen kleine Weinhandlungen und Weinrestaurants, die sich vornehmlich natürlich den Weinen der Region verschrieben haben. Ein treffliches Beispiel dafür ist die Weinbar Avitus mit einer reichen Auswahl an Côte du Rhône-Weinen, aber auch mit Produkten auserwählter, kleiner Champagnerhäuser. Man wäre nicht in Frankreich, wenn man nicht spüren würde, dass der Genuss beim Lebensstil im Vordergrund steht. Dies macht sich selbstverständlich auch bei der Küche bemerkbar. Etliche kleine Restaurants gilt es in der Altstadt zu finden und auszuprobieren, deren innovative Küchenchefs für ihre hervorragende Küche bekannt geworden sind. Dafür sind die Restaurants l´Agape an der Place des Corps Saints und das l´Essentiell beste Beispiele und was gibt es Schöneres, als Avignon neben seiner historischen Vergangenheit auch von seiner besten kulinarischen Seite kennenzulernen.

www.avignon-tourisme.com

Besuch am 20.-22.03.2015